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**** WOHER DAS ALLES KOMMT ****

Die Geschichte von BASIC und dem Commodore 64

Bevor du selbst PRINT und GOTO tippst, lohnt sich ein Blick zurück: BASIC ist älter als die meisten Heimcomputer, auf denen es je lief. Seine Geschichte ist voller Zufälle, harter Geschäftsentscheidungen und eines Sprachstreits, der bis heute nachwirkt.

Diese Seite fasst allgemein dokumentierte Computergeschichte zusammen, so sorgfältig wie möglich recherchiert. Wo sich Quellen widersprechen oder Zahlen nur ungefähr belegt sind, steht das hier auch so, statt eine falsche Genauigkeit vorzutäuschen.

1964

Der Anfang in Dartmouth

Am Dartmouth College in New Hampshire entwickelten die Mathematikprofessoren John Kemeny und Thomas Kurtz Anfang der 1960er-Jahre eine neue Programmiersprache – nicht für Fachleute, sondern für Studierende aller Fachrichtungen. Programmieren war damals fast ausschließlich Spezialisten vorbehalten, die in Maschinensprache oder umständlichen Stapelverarbeitungs-Systemen arbeiteten und oft stundenlang auf ein Ergebnis warten mussten.

Kemeny und Kurtz wollten das ändern. Zusammen mit einem Team von Studierenden bauten sie das Dartmouth Time-Sharing System (DTSS), das mehreren Personen gleichzeitig einen direkten, interaktiven Dialog mit dem Rechner erlaubte – und dazu die passende Sprache: BASIC, kurz für Beginner's All-purpose Symbolic Instruction Code. In den frühen Morgenstunden des 1. Mai 1964 liefen die ersten BASIC-Programme auf einem Großrechner der Reihe GE-225 – der Überlieferung nach sogar mehrere gleichzeitig, um genau das Time-Sharing-Prinzip zu beweisen, um das es den Erfindern ging.

Kemeny und Kurtz verzichteten bewusst auf ein Patent und stellten BASIC anderen Hochschulen kostenlos zur Verfügung. Diese Offenheit war einer der Gründe, warum sich die Sprache in den folgenden zehn Jahren an unzähligen Universitäten und Schulen verbreitete – lange bevor es überhaupt Heimcomputer gab, auf denen man hätte selbst programmieren können.

1975

Vom Großrechner in die Garage

Elf Jahre später war BASIC an vielen amerikanischen Colleges bereits Lehrstoff. Im Januar 1975 erschien auf dem Titelblatt des US-Magazins Popular Electronics ein Bausatz-Computer, der alles verändern sollte: der Altair 8800 der Firma MITS, einer der ersten für Privatpersonen erschwinglichen Mikrocomputer. Er hatte weder Tastatur noch Bildschirm, nur Schalter und Lampen. Programmiert wurde er im Auslieferungszustand ausschließlich in Maschinencode.

Zwei junge Programmierer, Bill Gates und Paul Allen, erkannten die Chance und schrieben – mit Unterstützung von Monte Davidoff für die Gleitkomma-Mathematik – einen BASIC-Interpreter für den Altair, ohne vorher an echter Hardware getestet zu haben. Die erste Vorführung bei MITS lief der überlieferten Geschichte nach tatsächlich schon beim ersten Versuch. Aus diesem Projekt heraus gründeten Gates und Allen im April 1975 die Firma Micro-Soft, später Microsoft. Altair BASIC war ihr allererstes Produkt.

1977

BASIC erobert die Heimcomputer

1977 gilt vielen als eigentliches Geburtsjahr des Heimcomputers: Mit dem Commodore PET 2001, dem Apple II und dem TRS-80 kamen im selben Jahr gleich drei bis heute als "1977 Trinity" bezeichnete Systeme auf den Markt – alle mit BASIC direkt im ROM, sofort einsatzbereit beim Einschalten.

Commodore lizenzierte für den PET dasselbe Microsoft-BASIC, das schon für den Altair geschrieben worden war. Eine Anekdote, die in vielen Büchern zur Computergeschichte auftaucht: Firmenchef Jack Tramiel soll mit Bill Gates statt laufender Lizenzgebühren pro verkauftem Gerät eine einmalige Pauschalzahlung ausgehandelt haben – kolportierte Summe: rund 25.000 US-Dollar für ein unbefristetes Nutzungsrecht. Ob diese Zahl exakt stimmt, lässt sich im Nachhinein nicht mehr zweifelsfrei belegen. Fakt ist aber: Auf dieser Grundlage lieferte Commodore über Jahre hinweg Millionen Geräte mit Microsoft-BASIC aus, ohne dafür je wieder zu bezahlen. Bill Gates soll diesen Deal später selbst als einen der teuersten Fehler der frühen Microsoft-Geschichte bezeichnet haben.

1982

Der Commodore 64 und BASIC V2

Als der Commodore 64 im Sommer 1982 auf den Markt kam, brachte er genau dieses BASIC mit – genauer: BASIC V2, dieselbe Version, die schon im kleineren VIC-20 steckte, nur an die neue Hardware angepasst. Für viele Käuferinnen und Käufer war das ein Widerspruch: Der C64 hatte mit dem VIC-II einen für die Zeit beeindruckenden Grafikchip und mit dem SID einen der besten Soundchips seiner Generation – doch BASIC V2 kannte dafür keine eigenen Befehle. Wer Sprites bewegen, Farben setzen oder Musik programmieren wollte, musste PEEK und POKE benutzen und Speicheradressen aus dicken Handbüchern abtippen, statt sprechende Befehle wie SPRITE oder SOUND zu nutzen.

Warum das so war, wird bis heute unterschiedlich erzählt: mal mit Kostendruck, mal mit Zeitdruck vor dem Marktstart, mal schlicht damit, dass die Microsoft-Lizenz genau dieses BASIC ohne Aufpreis hergab. In jedem Fall ist genau diese Lücke – Grafik und Sound nur über PEEK und POKE erreichbar – bis heute das Merkmal, an das sich fast alle erinnern, die C64-BASIC gelernt haben. Und es ist der Grund, warum auch der Lernkurs auf dieser Seite POKE und PEEK zu einem eigenen Block macht: Genauso hat man es 1982 tatsächlich gemacht.

Trotz – oder gerade wegen – dieser Ecken und Kanten wurde der C64 zum laut Guinness-Buch der Rekorde meistverkauften Einzelcomputermodell aller Zeiten. Wie viele Geräte exakt verkauft wurden, ist bis heute umstritten: Seriöse Schätzungen reichen von rund 12 bis über 17 Millionen, gelegentlich kursieren noch höhere Zahlen, die von Historikern allerdings angezweifelt werden.

Nebenbei: 1984 verließ Jack Tramiel Commodore nach internen Konflikten mit den Hauptanteilseignern und kaufte kurz darauf die Heimcomputersparte von Atari – ein Wechsel, der die "Heimcomputer-Kriege" der 80er noch persönlicher machte, als sie es ohnehin schon waren.

War BASIC schädlich? Der Streit um Dijkstra

Nicht jeder war begeistert von BASICs Erfolg. 1975 veröffentlichte der niederländische Informatiker Edsger W. Dijkstra, einer der einflussreichsten Kritiker unstrukturierter Programmierung, den Aufsatz "How do we tell truths that might hurt?" – mit einem Satz, der bis heute zitiert wird:

"It is practically impossible to teach good programming to students that have had a prior exposure to BASIC: as potential programmers they are mentally mutilated beyond hope of regeneration."

Edsger W. Dijkstra, 1975

Sein Hauptvorwurf: Die BASIC-Dialekte jener Zeit kannten kaum mehr als Zeilennummern und GOTO-Sprünge, was schnell zu unübersichtlichem "Spaghetticode" führte und – so Dijkstras These – schlechte Programmiergewohnheiten einübte, die sich später nur schwer wieder ablegen ließen.

Der Vorwurf traf einen wunden Punkt und befeuerte eine jahrzehntelange Debatte um "strukturierte Programmierung". Gleichzeitig zeigte die Praxis etwas anderes: Gerade die Kombination aus Zeilennummern, GOTO und GOSUB, die Dijkstra kritisierte, war für viele Einsteigerinnen und Einsteiger genau der niedrigschwellige Zugang, den Kemeny und Kurtz sich ursprünglich gewünscht hatten. Beides stimmt gleichzeitig: BASIC in seiner ursprünglichen Form ist für große, wartbare Software denkbar ungeeignet – und war zugleich für eine ganze Generation der erste Ort, an dem Programmieren überhaupt Spaß gemacht hat.

Mit BASIC ans Telefon: die Mailbox-Jahre

Zwischen dem Heimcomputer-Boom und dem Internet liegt eine eigene Epoche, die heute leicht übersehen wird: die Zeit der Mailboxen. Ein Mailbox-System, englisch Bulletin Board System oder kurz BBS, war ein einzelner Rechner mit einem Modem am Telefonanschluss. Man rief ihn mit dem eigenen Computer an, und solange die Leitung belegt war, hatte man ihn für sich allein. Nachrichten lesen und schreiben, Dateien tauschen, kleine Spiele – alles über eine Telefonverbindung, die meist nach Minuten abgerechnet wurde.

Commodore lieferte dafür 1982 das VICMODEM (Modell 1600), das erste eigene Modem der Firma. Es schaffte 300 Baud, also rund 30 Zeichen pro Sekunde, und wurde nicht in die Telefondose gesteckt, sondern in die Buchse des Telefonhörers: Man wählte von Hand und legte den Hörer danach beiseite. Im Handbuch beschreibt Commodore einen Preis um 100 Dollar als ausdrückliches Entwicklungsziel, weil die Modems anderer Hersteller für Heimanwender damals unbezahlbar waren.

Hier schließt sich der Kreis zu BASIC, denn ein großer Teil der Mailbox-Software für den C64 war selbst in BASIC geschrieben. Das bekannteste Paket, Color 64 von Greg Pfountz, bestand aus einzelnen BASIC-Modulen, die beim Wechsel zwischen den Bereichen der Mailbox nachgeladen wurden; nur die zeitkritischen Ein- und Ausgaberoutinen lagen in Maschinensprache. Wer einen C64 und ein Modem besaß, konnte also eine eigene Mailbox betreiben und sie mit genau den Befehlen umbauen, die du in diesem Kurs lernst – mit GET für die Tastatureingabe und GOSUB für die Menüs. Für den Dateitransfer setzte die Commodore-Welt dabei meist nicht auf XMODEM, sondern auf das eigene Punter-Protokoll.

Weil 300 Baud so langsam waren, wurde die Gestaltung dieser Bildschirme zur eigenen Kunstform: Ein Bild musste mit wenigen Zeichen auskommen, weil jedes einzelne sichtbar über die Leitung tröpfelte. Auf dem C64 nahm man dafür die PETSCII-Grafikzeichen, die auf den Tastenkappen aufgedruckt waren. In der PC-Welt entstand parallel die ANSI-Art: Bilder aus den 256 Zeichen des IBM-Zeichensatzes und 16 Farben, zusammengesetzt vor allem aus Halbblöcken. Gruppen wie ACiD und iCE lieferten sich in den frühen 90ern regelrechte Wettbewerbe um die schönsten Begrüßungsbildschirme.

Verschwunden ist das alles nicht, es ist nur klein geworden. Eine Mailbox im Stil dieser Jahre lässt sich mit WebCarrier BBS heute auf gewöhnlichem Webspace betreiben und im Browser besuchen, mit 80×25 Zeichen und ANSI-Farben wie damals. Die Bilder dazu entstehen in WAnsiDraw, einem freien Editor für ANSI-Art, der ebenfalls im Browser läuft und echte .ans-Dateien speichert. Beides sind Nachbarprojekte dieser Seite – dieselbe Epoche, nur die andere Hälfte der Geschichte: hier der blinkende Cursor zu Hause, dort die Leitung nach draußen.

Niedergang und Wiedergeburt

Mit dem Ende der 8-Bit-Ära in den späten 1980er-Jahren verlor BASIC an Boden. Neue Heimcomputer und PCs mit grafischen Betriebssystemen brauchten andere Werkzeuge, professionelle Software wurde zunehmend in C oder Pascal geschrieben, später dominierten objektorientierte Sprachen. In der MS-DOS-Welt lebte BASIC in Form von GW-BASIC und ab 1991 QBasic weiter, mit dem eine ganze Generation von PC-Nutzern das Programmieren lernte.

Im selben Jahr 1991 veröffentlichte Microsoft Visual Basic – keine direkte Weiterentwicklung des alten Zeilennummern-BASIC, aber ein Sprachname mit Tradition, der BASIC-Konzepte mit grafischer Windows-Programmierung verband und über Jahre zu einer der meistgenutzten Sprachen für Business-Software wurde.

Parallel dazu ist BASIC nie ganz verschwunden: In der Retro-Computing- und Demoszene wird bis heute auf echten oder emulierten 8-Bit-Rechnern programmiert. Besonders berühmt wurde ein einziger Zeilencode für den C64, der mit einem Zufallsbefehl ein sich ständig veränderndes Rautenmuster auf den Bildschirm zaubert – ihm widmeten mehrere Informatik- und Medienwissenschaftler 2012 sogar ein ganzes Buch. Ein einzeiliges BASIC-Programm als Gegenstand akademischer Forschung: Das hätten wohl weder Kemeny und Kurtz noch Commodores Ingenieure 1982 erwartet.

Warum wir heute noch BASIC lernen

Genau dieser einfache Einstieg ist auch der Grund für diesen Kurs. BASIC zwingt dich nicht, vorher Build-Tools, Frameworks oder Ordnerstrukturen zu verstehen. Du tippst PRINT "HALLO WELT", drückst RUN, und der Rechner antwortet sofort – fast genau wie 1964 in Dartmouth, nur eben auf dem Bildschirm eines Commodore 64. Das macht BASIC didaktisch bis heute wertvoll, auch wenn kaum noch jemand große Software damit schreibt: Es zeigt in wenigen Zeilen, was ein Programm im Kern ist – eine Folge von Schritten, die der Rechner brav der Reihe nach abarbeitet.

Wenn du das lieber gleich an fertigen Beispielen nachvollziehen willst statt an graue Theorie: Auf der Seite BASIC-Programme zum Abtippen warten 14 kleine Listings zum Nachtippen und Ausprobieren. Oder du öffnest direkt den freien Editor und tippst los, genau wie 1982 nach dem Einschalten.

Zeitstrahl im Überblick

  • 1964BASIC entsteht am Dartmouth College, erdacht von John Kemeny und Thomas Kurtz.
  • 1975Altair BASIC erscheint, Bill Gates und Paul Allen gründen Microsoft.
  • 1977PET, Apple II und TRS-80 bringen BASIC in die ersten Heimcomputer.
  • 1982Der Commodore 64 erscheint mit BASIC V2 im ROM.
  • 1980erMailboxen verbinden Heimcomputer über das Telefonnetz, viel BBS-Software für den C64 ist in BASIC geschrieben.
  • 1991QBasic und Visual Basic lösen das klassische Zeilennummern-BASIC ab.
  • 2012Ein einzeiliges C64-BASIC-Programm wird zum Thema eines wissenschaftlichen Buchs.
  • HeuteRetro-Computing, Demoszene und Kurse wie dieser halten BASIC lebendig.

HÄUFIGE FRAGEN

Fragen zur Geschichte von BASIC

Wer hat BASIC erfunden?

Die Mathematikprofessoren John Kemeny und Thomas Kurtz am Dartmouth College. Die ersten BASIC-Programme liefen am 1. Mai 1964 auf dem dortigen Time-Sharing-System.

Wofür steht die Abkürzung BASIC?

Für Beginner's All-purpose Symbolic Instruction Code, zu Deutsch etwa: vielseitiger symbolischer Einsteiger-Befehlscode.

Ist BASIC heute noch relevant?

Für professionelle Software kaum noch, dafür aber als Einstieg ins Programmieren und in der Retro-Computing-Szene bis heute. Nachfolger wie Visual Basic .NET leben zudem in vielen Business-Anwendungen fort.

Welches BASIC nutzt dieser Kurs?

Einen eigenen, im Browser laufenden Nachbau des Kern-Befehlssatzes von Commodore BASIC V2, wie es 1982 im C64 steckte. Kein Original-ROM, aber am selben Vorbild orientiert – alle unterstützten Befehle stehen im Befehls-Lexikon, die wichtigsten davon ausführlich unter BASIC-Befehle.

Selbst ein Stück Geschichte tippen

Steig in den Lernkurs ein und schreib dein erstes Programm auf demselben BASIC V2, das 1982 im C64 steckte.

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